"Massive Anschläge"
Dschihad in Deutschland
Kurz vor dem Jahrestag der Anschläge vom 11. September haben die Sicherheitsbehörden mit der Festnahme dreier Terrorverdächtiger nach eigenen Angaben verheerende Bombenattentate in Deutschland verhindert. Die zwei Deutschen und ein Türke im Alter zwischen 20 und 30 hätten massive Anschläge mit vielen Toten auf US-Einrichtungen geplant, sagte Generalbundesanwältin Monika Harms in Karlsruhe. Es sei gelungen, eine der bisher schwerwiegendsten Terrorplanungen rechtzeitig zu erkennen.
Die Verdächtigen wurden am Dienstag in einem Ferienhaus im Sauerland festgenommen, wo sie bereits mit dem Bombenbau begonnen hatten. Gegen alle drei wurde Haftbefehl erlassen. Gegen fünf weitere Verdächtige wird ermittelt.
Die verhafteten Verdächtigen sind den Ermittlungen zufolge Mitglieder der terroristischen Islamischen Dschihad-Union, die Verbindungen zum Terrornetzwerk El Kaida hat. Im Visier der Verdächtigen waren den Ermittlern zufolge von US-Bürgern besuchte Einrichtungen wie Discos, Gaststätten und Flughäfen.
Nach Angaben von US-Behörden waren der Flughafen Frankfurt und die US-Luftwaffenbasis Ramstein Hauptanschlagsziele. Die drei Männer hätten aber auch Anschläge auf andere Einrichtungen erwogen, sagte ein hochrangiger Beamter des Außenministeriums in Washington. Er berief sich auf Angaben deutscher Ermittler. Das Komplott war demnach der Hauptgrund für zwei Terrorwarnungen der US-Botschaft in Berlin im Frühjahr und eine Erhöhung der Sicherheitsmaßnahmen.
Anschläge mit möglichst vielen Toten
"Das leitende Motiv der Gruppe in Deutschland ist Hass gegen amerikanische Staatsbürger", sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke. Nach BKA-Angaben waren gleichzeitige Anschläge mit Autobomben an mehreren Orten in Deutschland mit möglichst vielen Toten und Verletzten geplant. Den Ermittlern zufolge wurden die Männer im vergangenen Jahr in einem Lager im Norden Pakistans ausgebildet. Der anstehende Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September habe nicht unmittelbar in einem Zusammenhang mit den Planungen gestanden, aber möglicherweise "einen gewissen Motivationsschub" gegeben, sagte Bundesanwalt Rainer Griesbaum.
Nach Angaben des saarländischen Innenministeriums wird insgesamt gegen acht Terrorverdächtige ermittelt. Zwei der noch nicht festgenommenen Männer stammen laut saarländischem Landeskriminalamt aus dem Saarland. Gegen sie liege momentan noch kein Haftbefehl vor.
Razzien in sechs Bundesländern
Zum Kern der Gruppe gehören den Ermittlungen zufolge weitere Verdächtige. Nach den Festnahmen wurden insgesamt 41 Objekte in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen und dem Saarland durchsucht. Dabei stellten die Fahnder Unterlagen, Computer und Geld sicher. Ziercke sprach von einem Polizeieinsatz, der in dieser Dimension in der BKA-Geschichte noch nicht stattgefunden habe. Fast 300 Beamte seien über sechs Monate im Einsatz gewesen. Zur Entwarnung bestehe kein Anlass: "Wir müssen auch weiterhin in Deutschland sehr aufmerksam sein."
Den Ermittlungen zufolge beschaffte einer der Verdächtigen nach und nach zwölf Fässer mit insgesamt 730 Kilogramm 35-prozentiger Wasserstoffperoxidlösung. Mit dem Bombenbau wurde demnach am Dienstag in dem Ferienhaus im nordrhein-westfälischen Medebach-Oberschledorn, nahe der hessischen Grenze, begonnen.
Schlimmer als Madrid und London
Der Sprengstoff hätte den Angaben zufolge die Wirkung von 550 Kilogramm TNT gehabt. "Diese Menge hätte ausgereicht, um Sprengsätze mit einer höheren Sprengkraft als bei den Anschlägen in Madrid und London zu konstruieren", sagte Ziercke. Den Behörden gelang es aber nach eigenen Angaben, heimlich das Wasserstoffperoxid mit einer niedriger konzentrierten Lösung auszutauschen. Bürger seien daher zu keiner Zeit gefährdet gewesen.
Panne bei Festnahme
Bei der Festnahme in Medebach-Oberschledorn gab es am Dienstag offenbar eine Panne: Einer der Männer habe einem BKA-Beamten seine Waffe aus dem Holster ziehen können, sagte Ziercke. Aus der Waffe habe sich ein Schuss gelöst. Der Verdächtige und der Polizist seien leicht verletzt worden. Das Ferienhaus war auch am Mittwoch weiträumig abgesperrt.
Kanzlerin Angela Merkel äußerte sich erleichtert über die Festnahmen und dankte den Behörden. Die terroristischen Gefahren seien real, sagte sie. Auch US-Präsident George W. Bush äußerte erfreut und lobte die deutschen Behörden. Der Erfolg erinnere an die weltweite Terrorbedrohung.
n-tv.de







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